Mit einem nachdenklichen und hoffnungsvollen Gottesdienst beging die Evangelische Kreuzkirche Fulda-Neuenberg am Karfreitag den Gedenktag an die Kreuzigung Jesu Christi. Die Liturgie wurde von Pfarrer Stefan Bürger (57) geleitet, die musikalische Gestaltung übernahm Organist Christopher Schnell. Der Gottesdienst wurde auch online auf dem YouTube-Kanal der Kreuzkirche übertragen.

Giotto, 1303-1305 (Hg. Gottesdienst-Institut, Nürnberg)
Giotto Kreuzigung 1303-1305 (Hg. Gottesdienst-Institut, Nürnberg)
Giottos Gemälde aus der Arenakapelle in Padua

Im Mittelpunkt der Predigt stand der Gedanke des „Übergangs“, den Pfarrer Bürger anhand des Motivs der „Blauen Stunde“ erläuterte. Diese besondere Lichtstimmung zwischen Tag und Nacht diente als Symbol für die Spannung des Karfreitags, den Bereich zwischen Tod und neuer Hoffnung. Bürger bezog sich dabei auf die blaugrundierten Kreuzigungsdarstellungen des Malers Giotto aus dem 14. Jahrhundert aus der Arenakapella in Padua.

Machtmissbrauch gab es damals und heute

Anhand der Figuren unter dem Kreuz beschrieb der Pfarrer unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Geschehen. Die Trauernden auf der einen Seite, auf der anderen Menschen, die unberührt und mit sich selbst beschäftigt bleiben. In diesem Zusammenhang betonte er, dass „Menschen, die nur sich wichtig nehmen, keinen Jesus brauchen, dem andere wichtig sind.“ Die Passionsgeschichte zeige, dass Selbstbezogenheit und Machtmissbrauch damals wie heute Leid verursachen.

Wie der Hauptmann, seinen Blick allein auf Jesus richten

Eine besondere Rolle nahm in der Predigt der römische Hauptmann ein, der in der biblischen Erzählung am Kreuz Jesu steht. Während andere beteiligt oder abgelenkt sind, richte er seinen Blick allein auf Jesus und wage so einen wichtigen Glaubensschritt. Sein Satz „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ wurde von Bürger als einfaches, aber entscheidendes Bekenntnis hervorgehoben. Der Hauptmann stehe beispielhaft für einen Übergang vom Unglauben zum Glauben.

Leben ist letztlich stärker als der Tod

Weitere Bilddetails aus Giottos Werk dienten der theologischen Einordnung des Karfreitags. Die Mischung aus Leichenblässe und Himmelblau, der aufbrechende Erdboden unter dem Kreuz sowie die Engel im oberen Bildbereich, die auf das kommende Osterereignis verweisen. Bürger machte deutlich, dass christliche Hoffnung nicht eine Garantie für ein leidfreies Leben sei, aber die feste Zuversicht, dass das Leben letztlich stärker sei als der Tod.

Livestream auf YouTube | Ostersonntag Familiengottesdienst

Der Predigt folgten traditionelle und moderne Passionslieder. Die Lesung aus dem Matthäusevangelium übernahm die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Edda Steinmetz. Pfarrer Bürger schloss mit dem Hinweis, dass auch die Gegenwart eine Zeit des Übergangs sei – vergleichbar der „blauen Stunde“ zwischen Karfreitag und Ostern. Der christliche Glaube, so Bürger, lebe von dieser Hoffnungsspannung.
Auf YouTube wurde der Gottesdienst live übertragen und kann im Nachhinein noch angeschaut werden. Pfarrer Bürger, Jugendreferentin Valentina Hahner und Kindergottesdienstmitarbeiterin Tina Großmann gestalten dann Ostersonntag um 11:00 Uhr den Familiengottesdienst mit anschließender Ostereiersuche.

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