Veröffentlicht am 29.12.2018
Viele Außenstehende fragen sich, was im Kirchenvorstand denn alles besprochen wird. Mit „KV transparent“ wollen wir Einblick in die Arbeit des Leitungsgremiums geben. „Von Anfang an lag mir die Gemeinschaft in der Gruppe am Herzen. Dazu gehört für mich zweierlei: zum einen eine spirituelle Gemeinschaft durch Andacht, Gebet oder im Abendmahl, zum anderen auch das gesellige Miteinander bei Essen und Trinken“, erklärt der Pfarrer. Zweimal im Jahr - vor den Sommerferien und in der Adventszeit - gibt es keine klassische Tagesordnung bei den Treffen. Dafür bestellen wir uns etwas zu essen, oder ein Kirchenvorstandsmitglied lädt aufgrund eines runden Geburtstages ein. Diese Zeit des zwanglosen Miteinanders ist ein wichtiger Beitrag zur persönlichen Kontaktpflege untereinander, um Schweres und Fröhliches miteinander zu teilen. Manchmal „fallen hier spontane Beschlüsse“ sehr einmütig, obwohl keine Tagesordnung vorlag. Beim Dezembertreffen haben wir wieder miteinander Abendmahl gefeiert. Vor vielen Jahren sagte mal ein Kirchenvorstand, wie viel es ihm bedeute, dass der Pfarrer extra für sie eine Abendmahlsandacht gestalte. Zum klassischen „ora et labora“ (beten und arbeiten) in der Kirchenvorstandsarbeit könnte man bei uns also auch noch das gemeinsame Essen hinzuzählen.
 
 

Liturgieanpassungen ab Ende Januar

In der Novembersitzung haben wir uns intensiv mit der gängigen Liturgie in der Kreuzkirche beschäftigt. Der Pfarrer sprach ein kleines Dilemma an: Landeskirchlich ist eine Liturgie vorgesehen, die sowohl in der Kreuzkirche als auch in anderen evangelischen Kirchen im Bereich Fuldas an einigen Stellen abweicht. Kirchengemeinden dürfen zwar nach Gesetz ihre eigenen Traditionen im Gottesdienst leben, dennoch ist eine größtmögliche Anpassung an die landeskirchliche Liturgie gewünscht. Hilfreich ist diese zudem auch für andere Pfarrerinnen und Pfarrer, sowie Lektorinnen und Lektoren, die an verschiedenen Orten eingesetzt sind und sich so nicht immer wieder neu verständigen müssen, was hier oder dort liturgisch üblich ist.
 
Der Pfarrer unterschreibt bei seiner Ordination u.a.
6. Die Verbindung der Ortsgemeinde und des besonderen pfarramtlichen Tätigkeitsbereiches mit der Landeskriche ist dadurch zu wahren, dass der Pfarrer die Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, ihre Kirchengesetze und ihre Ordnungen achtet und für deren Weiterentwicklung nach den Erfordernissen der Zeit Sorge trägt.“
 
Im Pfarrdienstgesetzt heißt es in § 13 weiterhin:
(3) Er ist verpflichtet, die gesamtkirchlichen und landeskirchlichen Ordnungen zu beachten.
(4) Er ist verpflichtet, die in seiner Gemeinde hergebrachten und anerkannten gottesdienstlichen Formen und Ordnungen zu beachten. Er kann jedoch mit Zustimmung des Kirchenvorstandes in den von der Landessynode zugelassenen Fällen von den in der Gemeinde gültigen agendarischen Ordnungen abweichen.
 
Es ergibt sich dadurch eine Spannung zwischen „Hergebrachtes anzuerkennen“, „landeskirchliche Ordnungen zu beachten“ und „für Weiterentwicklung Sorge zu tragen“. Wie ist dies aufzulösen?
 

Erfahrungen bis August sammeln

In einem längeren Gespräch hat sich der Kirchenvorstand einstimmig dazu entschlossen, bis zum August 2019 probeweise zwei Anpassungen vorzunehmen, und zwar im Begrüßungs- und Eingangsteil. Die Gemeinde soll im Vollzug die Anpassungen kennenlernen und darüber ins Gespräch kommen. Anschließend wird der Kirchenvorstand aufgrund der Erfahrungen eine Entscheidung treffen. 
 
Veränderungswürdig sind nach Meinung des Kirchenvorstands zwei Elemente:
 
1) Bitte um den Heiligen Geist (vgl. Evangelisches Gesangbuch S. 21)
 
Kreuzkirche EKKW Begründung
1. Orgelvorspiel
2. Begrüßung (liturgisch und frei)
3. Bitte um Heiligen Geist (155,1)
4. Votum (im Namen des Vaters…)
5. Sündenbekenntnis
1. Orgelvorspiel
2. Bitte um Heiligen Geist
3. Votum und Begrüßung frei
(Sündenbekenntnis nur im Abendmahlsgottesdienst)
„Dem reformatorischen Gedanken des ‚Priestertums aller Gläubigen‘ entsprechend, hat die Gemeinde das erste Wort im Gottesdienst. Dieses erste Wort aber ist keine selbstmächtige Eröffnung, sondern ein Gebet um Gottes Gegenwart“.
Christian Zippert (Hg.), EKKW Gottesdienst feiern. Begleitbuch zur Agende I, Kassel 2005, 63)

 
2) Bittruf und Lobpreis (vgl. Evangelisches Gesangbuch, S. 22)
 
Kreuzkirche EKKW Begründung
1. Psalm
2. Kyrie eleison (gesungen)
3. Lobpreis (gesungen)
1. Psalm
2. Aufforderung zu Bittruf
3. Bittruf
4. Aufforderung zum Lobpreis
5. Lobpreis
Der Kyrie-Gebetsruf in griech. Sprache ist vielen Menschen heute fremd.
Die herkömmliche Form des Bittrufs „Herre Gott, erbarme dich“ ist für die Gemeinde leichter verstehbar. Durch die kurzen Texte zur Aufforderung bei Bittruf und Lobpreis hat das Ziel „die Spannung der hart aufeinanderstoßenden Kyrie- und Gloria-Gesänge durch vorangestellte ‚Aufforderungen‘ für die Gemeinde nachvollziehbar zu machen [und die] übliche Deutung als ‚Sündenbekenntnis‘ und ‚Gnadenverkündigung‘ aufzulösen.“ (ebd. 69)

 
Beispiel für Bitt- und Lobpreis
Jeder Sonntag hat sein eigenes Thema und damit auch seine eigene Aufforderung zu Bitt- und Lobpreis. Weil sich nicht jeder etwas darunter vorstellen kann, hier ein aktuelles Beispiel für den Silvestergottesdienst:
 
AUFFORDERUNGEN ZU BITTRUF 
Es ist nicht nur Dankbarkeit, was uns bewegt
beim Rückblick auf unsere Wege;
es sind gemischte Gefühle:
auch Trauer, Resignation und Schuldbewusstsein.
Wir sehen viel Dunkles und Schweres;
die ungelösten, vielleicht unlösbaren Probleme
mit uns selbst,
mit anderen Menschen;
Mißerfolge, Enttäuschungen, Irrwege.
Wir sind angewiesen auf Gottes Erbarmen:
 
Gemeinde singt gemeinsam:
Herre Gott, erbarme dich;
Christe, erbarme dich;
Herre Gott, erbarme dich.

 
AUFFORDERUNGEN ZUM LOBPREIS
 
Es sind gemischte Gefühle, die uns bewegen
beim Rückblick und Vorblick auf unseren Weg:
nicht nur Schuldbewusstsein, sondern auch Dankbarkeit;
nicht nur Sorgen und Ängste, sondern auch Hoffnung.
Wir sehen viel Helles und Schönes;
mancherlei Hilfe, die wir erfahren haben
von Menschen
und durch sie von Gott;
Erfolge, glückliche Zufälle
und Wendungen zum Guten.
Wir können trotz allem, in allem singen:
 
Gemeinde singt gemeinsam:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden 
und den Menschen sein Wohlgefallen.

 
Quelle Agende der EKKW: Zippert II,24 - Zippert
 
 
Am 20./27. Januar 2019 sollen die Gottesdienste erstmals mit der veränderten Liturgie gestaltet werden. Selbstverständlich gibt der Pfarrer dazu auch einige Hinweise zum besseren Verständnis. Sind die Veränderungsideen einleuchtend für Sie? Können Sie nachvollziehen, dass sich der Kirchenvorstand zunächst für eine probeweise Anpassung bis August 2019 entschließt? Wir freuen uns auf einen offenen Dialog.
 


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