Veröffentlicht am 04.10.2018

Ein gutes Dutzend Läuferinnen und Läufer der Kreuzkirche haben sich auch in diesem Jahr wieder aufgemacht, beim Fulda-Marathon unter der Flagge des Lions Clubs 10 km für eine gute Sache zu laufen. Nicht für irgendeine „gute Sache“, sondern für ein Projekt, das uns alle nachhaltig beeindruckt hat: Unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe wurde vom Hilfswerk der Deutschen  Lions die Aktion „Hilfe für kleine Ohren“ ins Leben gerufen. Hier werden Hörgeräte, sowohl gebrauchte als auch neue, direkt an Kinder in der sogenannten „Dritten Welt“ verteilt. Die Gelder für neue Geräte stammen aus Spendenaktionen wie beispielsweise dem Fulda-Marathon.
 
Das Team der Kreuzkirche
„Zur Zeit gehen wir von ca. 30 Mio. hörgeschädigten Kindern weltweit aus, die trotz ihrer Hörschädigung nicht mit Hörgeräten versorgt sind, da es keine Sozialsysteme gibt, welche die Geräte bezahlen würden. Es gibt Länder, bei denen eine Hörgeräteversorgung den Wert eines örtlichen Bauernhofes hat. Derzeit gibt es 18 geprüfte Stellen weltweit, über die Hörgeräte an Kinder und Jugendliche angepasst werden, u. a. in Peru, Sri Lanka, Bolivien und weiteren Entwicklungsländern“, berichtet der Präsident des Fuldaer Lions Clubs Andreas Trabert, der sich engagiert für das Projekt einsetzt.
 

Mit Leidenschaft für eine gute Sache

Gemeinsam mit zertifizierten Kooperationspartnern, Hilfsorganisationen, Schulen, Ärzten etc., werden die Hörhilfen an bedürftige Kinder weltweit verteilt. Die Nachhaltigkeit des Projektes ist dadurch gewährleistet, dass vor Ort entsprechende Fachkräfte  geschult werden, diese richtig anzuwenden und die Kinder sowie deren Eltern zu instruieren. Und das mit äußerst geringem Verwaltungsaufwand! – Sprich, die Hilfe kommt  effektiv dort an, wo sie gebraucht wird und versickert nicht schon vorher im Verwaltungssumpf.
 
Mich persönlich und auch meine Laufkolleginnen und -kollegen hat das leidenschaftliche Engagement  von Mitinitiator Andreas Trabert sehr berührt, als er uns beim gemeinsamen Training mit Begeisterung davon erzählte. Denn Fakt ist: Ein Kind, das in einem Entwicklungsland nichts hört, hat ohne Hilfe null Chance auf Schulbildung! Es wird in die Kategorie „Behindert“ eingestuft und bekommt damit jegliche Aussicht auf ein eigenständiges, würdiges Leben genommen. Im Klartext heißt das für die Mädchen und Jungen nicht nur Isolation, sondern im schlimmsten Fall ein Leben im Abseits auf der Straße. Grausam, aber wahr.
 

Kleiner Tropfen, große Kreise

Als ich mit ebenso viel Begeisterung im Bekanntenkreis von diesem Projekt erzählte, fragte mich jemand, ob ich denn wirklich glaube, damit etwas zu bewirken, das sei doch nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein: „Da draußen im Mittelmeer ertrinken die Flüchtlinge und ihr lauft für Hörgeräte,“ schlug es mir entgegen. Ich gebe zu, einen Moment lang musste ich schlucken. Doch dann kam meine spontane Antwort: „Wir können nicht die ganze Welt retten. Aber wenn nur ein einziges Kind durch unsere Hilfe hören und eine Schule besuchen kann, dann lohnt sich jeder Kilometer, den wir laufen!“  
 
Wir können den Hebel nur da ansetzen, wo wir etwas bewirken. Und – das eine tun, heißt ja nicht, das andere lassen. Ein Tropfen zieht bekanntlich Kreise. Wir waren jedenfalls mit Eifer  dabei und sind, natürlich auch aus Freude am Laufen, jeden Kilometer mit ebenso viel Schweiß wie Freude angegangen. Schließlich waren wir alle mit unseren Ergebnissen zufrieden. Und – die „gute Sache“ schließt ja nicht aus, auch ordentlich Spaß am gemeinsamen Event zu haben. Ganz im Gegenteil: Mit dem Herzen dabei sein, das ist das Entscheidende.
 

Freude am Laufen – Freude am Helfen

Mit Freude waren wir auch in den Wochen zuvor beim Spezialtraining mit Lauftrainer Sascha Wingenfeld von der LG Fulda dabei, das der heimische Lions Club seinen Läufern ermöglicht hat. Dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank! Ein kleines Präsent für Trainer Sascha Wingenfeld sowie ein herzliches Dankeschön an Organisator Andreas Trabert gab es vom Lauftreff der Kreuzkirche schon beim letzten Stadiontraining vor dem Lauf. „Gerne haben wir das Angebot wahrgenommen und unser Donnerstagstraining dafür kurzerhand ins Stadion verlegt. So haben wir eine Menge dazu gelernt und auch bereichernde  Begegnungen mit anderen Läufern gemacht“, zeigt sich unser Lauftrainer Hartmut Ruppenthal zufrieden mit seiner Entscheidung, von der alle Läufer profitieren konnten.  
 
Warum erzählen wir das alles? Bestimmt nicht, um zu betonen, dass wir für die „gute Sache“  unterwegs waren. Uns geht es um die Nachhaltigkeit dessen, wofür man sich engagiert. Es lohnt sich immer wieder, etwas anzustoßen und einer Sache Schwung zu verleihen. Nirgendwo wird das deutlicher als beim Laufen. Man trainiert gemeinsam auf ein ganz bestimmtes Ziel hin, steigert von Mal zu Mal Ehrgeiz und Tempo und ist dann glücklich, den Stein nicht nur losgetreten zu haben, sondern ihn auch in Bewegung zu halten. Das ist übrigens der entscheidende Unterschied zwischen Sprint und Dauerlauf!
 

Wir geben nächstes Jahr gerne wieder Gas!

Wir haben gerne Gas gegeben, sowohl für das großartige Projekt der Lions als auch für uns persönlich und für uns als Laufgruppe. Ich schätze mal, nächstes Jahr werden wir wieder gerne Kilometer machen und gemeinsam mit vielen anderen Läufern Kräfte mobilisieren, um einen neuen Stein ins Rollen zu bringen – und dabei jede Menge Spaß und Freude zu haben.
 
von Martina Bisdorf/Lauftreff Kreuzkirche


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