Veröffentlicht am 29.10.2017

Pfarrer Bürger führt 29 Konfirmanden ein – Jetzt WLAN in der Kreuzkirche

Die Kreuzkirche in Fulda ist die jüngste Kirchengemeinde im Landkreis. Sie ist oft Vorreiter für gute Ideen. Seit neuestem können Ehrenamtliche, Gottesdienstbesucher und auch Konfirmanden dort per WLAN ins Internet. Zum Gottesdienst mit Konfirmanden setzt Pfarrer Stefan Bürger den Thesenanschlag Luthers mit der heutigen Social-Media-Nutzung in Verbindung.
 
Foto (Katharina Jaeger/KM Architekten – Montage Malte Bürger): Kreuzkirche hat ab sofort WLAN
Seine Predigt beginnt Pfarrer Stefan Bürger beim Einführungsgottesdienst der 29 Konfirmanden in der Kreuzkirche in Fulda-Neuenberg mit einem „YouTube-Video“, das in drei Minuten die Bedeutung der Reformation humorvoll und inhaltsreich wiedergibt. Bürger vergleicht den Anschlag der 95 Thesen mit der Nutzung heutiger Social-Media-Kanäle wie WhatsApp, Facebook, Instagram oder YouTube. „Martin Luther hätte diese Medien genutzt. Er hat den Menschen aufs Maul geschaut, wollte sie in ihrer Sprache und flächendeckend erreichen“, so Bürger. Das gelte ja auch für die Bibelübersetzung. Damals war es der Buchdruck, der sie verbreitete. Wenn sich Luther gegen den Ablass wandte, wollte er deutlich machen, dass keiner für den Himmel bezahlen müsse, von Sünde und Strafen allein Jesus Christus befreie. Frei aus Glauben, nennt er das.

WLAN im Gottesdienst?!

Die Kreuzkirche bietet seit kurzem WLAN in ihren Räumlichkeiten. Bürger erzählt, wie eine Kirchengemeinde in Pforzheim die Besucher auffordert ihr Handy während des Gottesdienstes in die Hand zu nehmen und darin Erklärungen zum Gottesdienstablauf, Hintergrundinformationen und Bilder für die Predigt empfangen kann. Ganz schnell würde aber kritisch gefragt, ob nicht die, die kein Handy hätten, dadurch benachteiligt oder ausgeschlossen seien. Dieses Argument nennt Bürger ein Scheinargument. „Wie oft werden praktisch Menschen aus dem Gottesdienst ausgeschlossen, weil sie keine Orgelmusik mögen, nicht mit dem klassischen Gottesdienstablauf vertraut sind oder Schwierigkeiten mit den Texten und Melodien von Lutherliedern haben“, fragt der Pfarrer. Er ist vielmehr offen, hier etwas auszuprobieren, zum Beispiel Feedback- oder Rückfragemöglichkeiten zu bieten. Auch andere Formen der Beteiligung der Gemeinde seien denkbar. Auf jeden Fall werde das Netz vom Kirchenvorstand in Sitzungen, bei Vermietungen oder auch im Bereich der Jugendarbeit genutzt.

Freiheit von Klicks und Likes

An die Adresse der Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, appellierte der Pfarrer aber auch, dass Luther die Freiheit ganz wichtig gewesen sei. Übertragen auf den Medienkonsum könne das heißen, dass man seinen Wert nicht davon abhängig mache, wieviel Freunde man auf Facebook habe oder wieviel Likes das letzte Instagram-Posting gehabt habe. Dies sei eine Freiheit von der Sucht nach Anerkennung, weil es eine viel größere und tiefere Anerkennung gebe, die von Gott komme, ohne unser Zutun, theologisch nennt man das die Rechtfertigung allein aus Glauben.

WhatsApp-Statuszeile Luthers?

Pfarrer Stefan Bürger fragte, welche WhatsApp-Status-Zeile Martin Luther wohl gehabt hätte. Gern würde er hier erstmals eine digitale Beteiligungsmöglichkeit schaffen. So aber gibt er nur seine Gedanken zur fiktiven Statuszeile Luthers preis: Frei aus Glauben!
Humorvoll, aber auch ernst, gibt Bürger zum Schluss zu bedenken, dass im kommenden Jahr 50 neue Konfirmanden an der Kreuzkirche  beginnen könnten. Ob er dann eine Gruppe digital unterrichte? Sicher sei da der eingeschlagene Wunsch nach einem neuen Jugend- oder Gemeindereferenten sinnvoller oder eben die Erweiterung der Pfarrstelle auf eineinhalb Stellen, so der Pfarrer.
 
 


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